Viable System Model - SCRUM - Initialisierung

Beispielhafte Darstellung: Die Scrum Rollen während der Vorbereitung

SCRUM und das Viable System Model

Vor ein paar Tagen haben Heiko Bartlog und ich ein Experiment gestartet. Wir wollten herausfinden, wie sich das SCRUM Framework hinsichtlich seiner Rollen und Prozessphasen mit dem VSM abbilden lässt. Soviel sei an dieser Stelle schon verraten: Es hat erstaunlich gut geklappt! Das von mir gesteckte Ziel („locker flockig in 30 Minuten“) haben wir dann „leicht“ überschritten, dafür ist es umso gründlicher geworden 😉

Hierbei haben uns weder Feedback-Schleifen noch Bildstörungen davon abgehalten, die Session bis zum Ende durchzuziehen.  Die systematische Aufbereitung in Form eines „Papers“ folgt alsbald .

Worum geht es konkret?

Die These lautet: SCRUM bietet sehr gute Vorraussetzungen für ein lebensfähiges System

Untersuchungsmethode: Die Idee besteht darin, das VSM als „Spielbrett“ zu nutzen und die SCRUM Rollen als „Spielfiguren“ einzusetzen, die sich im „Spielverlauf“ (Prozess) über das VSM bewegen. Auf der übergeordneten Ebene geht es darum herauszufinden, wer welche Funktion(en) zum jeweiligen Zeitpunkt zum Erhalt der Lebensfähigkeit wahrnimmt (vgl. Hierarchie als kontextuelles Phänomen).

Daraus ist ein Google Hangout Video entstanden, welches aus drei Teilen besteht:

  1. Schnell-Vorstellung SCRUM
  2. Schnell-Vorstellung VSM
  3. Gemeinsame Denkrunde und schrittweise Erarbeitung des Prozesses

Erste Einsichten

Meine wichtigste Einsicht besteht darin, dass SCRUM in seiner Grundausprägung nur ganz oder gar nicht funktionieren kann. Das erklärt auch bestimmte Äußerungen, die sich über SCRUM beschweren – als sei es das neue Wasserfall … Zu diesem Thema hat Conny Dethloff einen wunderbaren Text geschrieben, sodass ich mir hier weitere Ausführungen erspare außer einer Anmerkung. Eine Methode funktioniert nie ohne die dazugehörige Haltung, die den gelebten Ethos der Zusammenarbeit widerspiegelt.

In der höchsten Verdichtungsstufe leitet sich für mich daraus ab, dass menschliche Selbstorganisation ohne „neue Autorität“ in den heutigen Zeiten nicht Zukunftsfähig sein kann. Es macht im wahrsten Sinne des Wortes keinen Sinn.

Abschließend nochmals Danke an Heiko fürs Zusammen-Denken!

Update (31.08.2016):

Ralf Westphal hat seine Gedanken zum Experiment zusammengefasst, sodass ich nicht umhin komme ein paar Ergänzungen vorzunehmen:

Es sollte nicht der Eindruck erweckt werden, als wenn SCRUM quasi automatisch ein lebensfähiges System erzeugt. Es sollte nur nachgewiesen werden das die Rollen je SCRUM-Phase gut im VSM verteilt werden können. Im Gespräch erwähne ich ja auch die Annahme, dass der Product Owner ein „guter“ ist, der mit dem Team zusammenarbeitet und das Wissen in den Köpfen klug nutzt. Das heisst auch: Eben keine Überforderung, sondern das verteilen von Verantwortung. Alles andere ist Käse, da hat Ralf recht. Agilität lässt sich nicht befehlen, genauso wenig wie Kreativität oder Spontanität.

Die Prozessphasen sind in der Tat nicht zu sehen (per Markierung – wo bin ich?), jedoch sprechen wir über die jeweilige Phase.Wir gehen ja Schritt für Schritt durch die Phasen und schauen dann, welche Rolle in welchem System für welche VSM-Funktion zuständig/verantwortlich ist. Wie gesagt, die Markierung zur Orientierung fehlt – dieses Manko ist mir erst im Nachhinein bewusst geworden, sodass diese Aufbereitung auch Teil des angekündigten „Papers“ sein wird.

Abschließend zur Umwelt: Ja, das stimmt alles, war aber im ersten Schritt noch nicht im Fokus. Wir haben einfach zusammen das erste Mal „live gespielt“ und hatten gar nicht den Anspruch, das SCRUM-Team und die übergeordneten Rekursionsebenen einzubeziehen. Wir wollten erstmal klein starten und herausfinden, ob der methodische Ansatz überhaupt Sinn macht und ob wir zu einem brauchbaren Ergebnis kommen – also zunächst verifizieren und dann erst validieren. Das Thema „Enterprise Level SCRUM“ habe ich auf dem Schirm, konnte dieses aber aus zeitlichen Gründen noch nicht angehen.

Auf jeden Fall sind Ralfs Fragen und Anmerkungen sehr wertvolle Impulse, die ich liebend gerne aufnehme. Es geht iterativ in kleinen Inkrementen weiter 😉