Bewerten, Ethos, Menschenbild und andere Kleinigkeiten

nasa-hs201427a-hubbleultradeepfield2014-20140603

Informationsuniversen

Das Motto des diesjährigen PM Camps in Dornbirn hätte mich nicht lauter ansprechen können: „Lerne zu unterscheiden ohne zu trennen.“ Seit meiner ersten (bewussten) Begegnung mit der Kybernetik beschäftigt mich die scheinbare Dichotomie der zweiwertigen Logik im Verhältnis zum vernetzten Denkrahmen, welcher von Unschärfen und Mustern handelt und eben nicht von „exakten Daten“.

Paradox ist das neue Normal

Dieser Satz ist mir von ein paar Jahren in einem anderen Kontext entfleucht und hat sich seitdem in meinem internen Poesiealbum eingenistet. Unbewusst habe ich damit zum Ausdruck bringen wollen das es eines erweiterten Denkrahmens bedarf, der eben nicht in die zweiwertige Logik-Falle tappt und das unterscheiden und zusammendenken trennt, sondern auch wieder vereinigt. Sicherlich mag man nun einwerfen, dass das Cynefin-Framework derlei Fragestellungen hinreichend beantwortet hätte. Denn je nach Kontext ergibt sich „zwangsläufig“ die geeignete Sichtweise zur Lösung eines Problems. Als Landkarte erscheint mir das Cynefin durchaus geeignet um insbesondere Neulinge an den expliziten Umgang mit Komplexität heranzuführen – stets angereichert mit dem Hinweis das es auch das Phänomen der Schein-Komplexität gibt, also einer Komplexität die im Beobachter entsteht und im beobachteten System gar nicht vorkommt. Dieses Phänomen nenne ich gerne die „Operation Self Mind Fuck“.

Kurz und gut: Als „Newbie“-Tool erscheint mir Cynefin probat – als Allheilmittel genügt es m.E. nicht (wie im übrigen kein Tool diesem Anspruch gerecht werden könnte – der Meta-Modelle Werkzeugkasten selbst kann nicht statisch sein und unterliegt evolutionären Gesetzmäßigkeiten).

Tempus fugit

Ein Problem bei der Betrachtung von grafischen Modellen besteht IMHO darin, dass diese wie ein Schnappschuss (still/frame) wirken. Die Metapher ist auch nicht unpassend, nur sollte man sich m.E. nicht von der Statik einer Visualisierung täuschen lassen. Tatsächlich entdecken wir „im Leben“ immer Dynamik, also den Wechsel von Zuständen, einen Fluss von Information, Energie oder Materie. Bei einem brauchbaren Modell ist es also möglich den Aspekt der Zeit (=Veränderung) innerhalb der Struktur darzustellen und sich wie einen Film vorzustellen. In diesem Sinne ist das Cynefin-Modell vielschichtiger, als es auch den ersten Blick vielleicht wirken mag und erklärt in einer parallelisierten Sichtweise, warum eine Handlung dem „einfachen Schema“ folgt, obgleich man in einen „komplexen Kontext“ eingebunden ist. Das klingt für manchen schon wieder ziemlich komplex, daher möchte ich einen anderen Andockpunkt anbieten. Es geht um …

Die Informationsuniversen von Magoroh Maruyama

Wieder einmal verweise ich auf Frederic Vester und sein wunderbares Buch die Kunst vernetzt zu denken. In diesem entdeckte ich die Idee der Informationsuniversen. Da ich ein notorisch visuell denkender Mensch bin habe ich dieses Modell in drei Grafiken verpackt (bzw. Charts, huch!) und folge damit hoffentlich nicht der unseligen Tradition der Popberatung, also dem verpacken von altem Wissen in mehr oder weniger schicken Illustrationen (der war für Dich Siggi). Vielmehr musste ich zur eigenen „Transduktion“ meine Gedanken „vercharten“ – ich kann nicht anders. Die Prozesshaftigkeit von Magorohs Gedankengang ist einfach zu zugänglich.

informationsuniversen-001

 

informationsuniversen-002

 

informationsuniversen-003

 

Bewerten, Ethos, Menschenbild und andere Kleinigkeiten

Mir erscheinen die Informationsuniversen als nützliche Gedanken-Leitplanken, wenn die Anschlussfähigkeit sich zu verabschieden droht. Dann frage ich mich: Fehlt es an „verlässlichen“ Daten, deren Beziehungen zueinander oder an der Bewertung der Daten im Verhältnis miteinander… schlussendlich am Ethos und Werte-System? Mich dünkt: Das endgültige Trennen von sozialer Interaktion beginnt beim Bewerten. Hier offenbaren sich Kompatibilitäten. Zugespitzt (und unterkomplex formuliert) heisst das im NewWork-Kontext für mich: Über welches Menschenbild reden wir eigentlich? Ist es in dem Sinne vollständig, dass es auch die „Arschlöcher“ integriert? Wie weit reicht der Imaginationsrahmen wenn jemand die Frage stellt: In welcher Welt wollen ‚wir‘ eigentlich leben?*

Zwischenfazit: Man hat schon ‚gute‘ Menschen dabei beobachtet, wie diese Gulags oder Guantanamo errichteten.

 

 

 

* Und nicht nur überleben.

 

Bildnachweis: NASA, ESA, H. Teplitz and M. Rafelski (IPAC/Caltech), A. Koekemoer (STScI), R. Windhorst (Arizona State University), and Z. Levay (STScI)

By | 2017-01-29T15:25:48+00:00 Oktober 31st, 2016|Categories: Grundsätzliches, Kybernetik|Tags: , , , , , , |0 Comments

About the Author:

Kommentar verfassen