On Bullshit

Über die Anschlussfähigkeit des Vagen und das zwanglose Verhältnis zur Wahrheit

Jeden Tag sind wir in dieser globalisierten und funktional-differenzierten Gesellschaft Bullshit ausgesetzt. Besonders in Demokratien ist es unmöglich, keinem Bullshit zu begegnen. Im täglichen Sprachgebrauch wird dieser Begriff jedoch oft unscharf verwendet, sodass ich die Definition von Harry Frankfurt heranziehen möchte, um das Phänomen des Bullshits besser erklären zu können.

Bevor ich in diesen Post einsteige, möchte ich einen Überblick über das thematische Spektrum aufzeigen – denn der Text ist mal wieder etwas länger geraten 😉

  • Was ist BS?
  • Wie entsteht BS?
  • Wer kommuniziert gerne BS?
  • Wie stabilisiert sich BS?
  • Wer ist besonders empfänglich für BS?
  • Persönlicher Ausblick

Begriffsklärung

Mit BS wird im Alltag auf einen unsinnigen Sachverhalt verwiesen. Die Verwendung von Worthülsen ist ein häufiges Kennzeichen von BS, sodass schon seit längerer Zeit diverse Abwandlungen des beliebten BS-Bingos kursieren. So wird BS im Allgemeinen als Platzhalter für Begriffe wie Humbug, Schnickschnack, Firlefanz oder Mumpitz genutzt. BS hat immer etwas Beliebiges und ist von einer Vagheit geprägt, die dem Publikum durch geschickte Rhetorik eine profunde Sachkenntnis vortäuscht. Und in eben jeder Täuschung liegt ein wesentliches Kriterium zum Verständnis von BS. Es kommt dem BShitter nicht darauf an ob die kommunizierte Information richtig oder falsch ist; es geht alleinig um die Erreichung eines Ziels mittels der Beeinflussung der Einstellungen des ‚Publikums’.

So könnte man den BShitter mit einem Lügner gleichsetzen, doch dies greift laut Harry Frankfurt zu kurz. Denn der Lügner arbeitet mit der Unwahrheit, während es dem BShitter vollkommen gleichgültig ist ob eine Information wahr oder unwahr ist. Es wird im jeweiligen Kontext spontan genau das Narrativ ausgewählt, welches den BShitter dem gewünschten Ergebnis näherbringt. Daher operiert der BShitter laut Frankfurt jenseits eines Wahrheitsbegriffs und das macht ihn so verdammt gefährlich: Er lässt sich nicht festnageln und entgleitet jedem Argument mit einer neuen Nebelwolke. Den Lügner kann man überführen, den BShitter nicht. Somit hält der BShitter das Publikum auf Trab und bestimmt den Takt und erscheint dabei so Manchem als visionäre Führungspersönlichkeit. Harry Frankfurt schreibt:

“It is impossible for someone to lie unless he thinks he knows the truth. Producing bullshit requires no such conviction.”

Wie entsteht BS?

Harry Frankfurt versteht BS als ein unvermeidliches Übel unserer Gesellschaft; besonders in Demokratien kann BS redlich gedeihen. Diese Aussage klingt zunächst unschön, ist aber verständlich, wenn man sich das Dilemma des mündigen Bürgers vergegenwärtigt: Egal ob es um die griechische Wirtschaft, die internationale Flüchtlingspolitik oder die örtliche Umgehungsstraße geht, der ‚ideale Bürger‘ ist stets bestens informiert und hat zu allen Fragen eine profunde Meinung. Leider besitzen wir Menschlein aber nicht die kognitiven Fähigkeiten, um alles zu wissen und alles bewerten zu können; wir sind gezwungen uns auf Teilaspekte zu konzentrieren und blenden bewusst oder unbewusst einen Großteil der verfügbaren Informationen aus. Dies eröffnet dem BS einen gigantischen Möglichkeitsraum der umso größer ist, wie die vorliegende Situation mindestens komplizierter, vermutlich aber eher komplexer Natur beschaffen ist.

Es manifestiert sich im BS die verzweifelte Suche nach Sicherheit in unsicheren Zeiten und es scheint, als gäbe es ein direktes Verhältnis zwischen der Komplexität einer Situation und dem Bedürfnis nach einfachen Erklärungsmustern. Der BShitter vermittelt den Eindruck zu wissen wo es langgeht und dies beruhigt seine Anhänger enorm in ihrem meist schlichten Weltbild.

Es gibt aber auch noch eine andere Facette im Kontext der Entstehung von BS und diese hängt mit den ökonomischen Verhältnissen zusammen. Es existiert in meiner empirischen Beobachtung nicht nur das o.g. Problem der Trivialisierung, sondern auch das weite Feld des stillen Ertragens von offenkundigem BS. Dies manifestiert sich durch ein ex- oder implizites Kunden/Lieferanten-Verhältnis, in welchem man aufgrund der wirtschaftlichen Abhängigkeit auf der Lieferantenseite auf gut deutsch Scheisse erträgt und beim BS mitspielt. Diese passive Formulierung verrät sehr schön, dass ich in diesem Kontext nicht unbescholten bin und aufgrund der ‚Ich muss Geld für die Firma verdienen‘-Situation bei einigem Bockmist mitgemacht habe – es musste irgendwie weitergehen und so war der fabrizierte BS anschlussfähig. Schlussendlich habe ich BS aus Angst ertragen.

Daher wage ich zu behaupten das der Widerstand gegen BS wohl ein zentrales Element der NewWork ausmachen sollte. Denn egal wie die sogenante neue Arbeit gestaltet werden soll, ohne die Freiheit des Denkens und Sprechens wird es nix mit der Augenhöhe. Es muss immer einen geben der sagen darf: „Das kannste schon so machen, aber dann isses halt Kacke.“ Doch dazu mehr im Fazit; jetzt möchte ich die Frage stellen:

Wer kommuniziert gerne BS?

Der kursive Satz des Wortes ‚gerne‘ soll eine BS-Häufigkeitsfrequenz beschreiben und damit die Neigung zur Verbreitung von BS hervorheben. Mich dünkt das jeder Mensch unvermeidlich BS verbreitet. Es geht also nicht ums ‚ob‘ sondern ‚wie viel‘ BS ich in meinem Leben in die Welt entlasse.

So kann man m.E. bestimmte Persönlichkeits- und Verhaltensmuster mit der Kommunikationswahrscheinlichkeit von BS in Verbindung bringen:

  • Narzissmus
  • Soziopathie
  • Psychopathie
  • Über-Selbstsicherheit (Over-confidence)
  • Über-Kontrollbedarf
  • Anti-Intellektualität
  • und vermutlich noch einiges mehr, wenn ich länger drüber nachdenken würde 😉

Darüber hinaus gibt es bei Frankfurt auch eine spezifische Berufsgruppe die besonders freudig BS von sich gibt: Berater rund um das Thema PR, Marketing und Vertrieb einschließlich der Unternehmensberater in all ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen. Besonders in diesen Umfeldern ist der Nährboden für BS aufgrund der hohen Dynamik der Märkte, in Kombination mit der Beschleunigung der technologischen Beschleunigung bestens bereitet. Denn in Zeiten von Unsicherheit haben all jene Auguren Hochkonjunktur die Hoffnung und Perspektiven bereithalten. Dies hat Siggi Becker auch in folgenden (12 Jahren alten!) Post beleuchtet.

Wir haben es somit mit einer systemischen Anfälligkeit für BS zu tun, die nicht nur auf die Berater zurückzuführen ist. Denn auch innerhalb einer Organisation habe ich erlebt wie ein Abteilungsleiter gegenüber seinem Chef einen Schwall von ‚BS de Luxe’ von sich gab. Der Chef hat natürlich nichts kapiert doch dank der Buzzword-Dichte, gepaart mit einer bedeutungsvollen Gestik und Mimik gelang die Kompetenz-Simulation aufs Feinste – und alle waren glücklich.

Nun habe ich mit meiner Marketing- und Vertriebserfahrung ohne es zu ahnen genau die Branche ausgewählt, in der BS teilweise eine überlebenswichtige Kommunikationstechnik darstellt. Doch letztendlich spielt es keine Rolle ob BS im Kontext von New Work, Lean, Brot backen oder technologisch-zivilisatorischen Zukunfts-Szenarien stattfindet – in jedem soziologischen Biotop gibt es die Erklär-Bären und Bärinnen denen es gelingt ein Realitäts-Verzerrungsfeld zu erzeugen und das Publikum mit Binsenweisheiten auf dem Niveau von Kalendersprüchen einzulullen. Solange die Worte der neuen Zeit benutzt werden, muss es kompetent sein – das Publikum entlässt sich aus seiner Denk-Verantwortung und überlässt dieses anstrengende Reflektieren dem BShitter. Das wussten vermutlich schon die Vorsokratiker.

Wie stabilisiert sich BS?

Eigentlich habe ich im vorherigen Abschnitt schon Teile dieser Frage beantwortet (zumindest für mich). Nichtsdestotrotz gibt es neben den Aspekten der Informations-Überforderung der Gesellschaft und des Individuums, oder den ökonomischen Verhältnissen noch weitere Elemente welche auf die Stabilisierung von BS einwirken.

Die Anschlussfähigkeit von BS basiert auch zu großen Teilen auf einer gehörigen Portion Sykophantentum. Der „Fan Boy-ism“ stärkt BS, da aufgrund der Verehrung des BShitters alle weiteren Fakten ausgeblendet werden. Kritik? Gibt’s nicht. Selbst hartgesottenen Denkern fällt es beizeiten schwer den Halo-Effekt zu vermeiden.

Kleiner Einschub: Menschen blenden immer Fakten aus, sodass der Begriff des post-faktischen Zeitalters eigentlich selbst wieder BS ist. Die Frage lautet daher eher welche Fakten ich genau ausblende und nicht ob… Kurzum: Jetzt wird’s der Gesellschaft auf der gesellschaftlichen Ebene bewusst, das ‚Fakten‘ nicht zählen! Da lacht der Konstruktivist…

Ich möchte daher empfehlen genau auf Claqueure zu achten, denn diese warten nur darauf zu jubeln. Das ‚wozu‘ spielt dabei keine Rolle – Hauptsache man befindet sich in der Sicherheit der Herde und pflegt gute Gefühle. Da muss man sich nicht mehr um die Details kümmern und spart Denk-Energie, die man dann fürs Schulter klopfen verwenden kann.

Abschließend möchte ich noch einen kulturellen Aspekt hinsichtlich der Stabilisierung von BS anführen. So gibt es soziale Systeme die stark vom Mythos des heroischen Managements beeinflusst sind und sich nach einer starken Hand sehnen die Ordnung schafft. Es ist der Wunsch nach einem (meist) väterlichen Bestimmer der richtig von falsch unterscheidet und fürsorglich der Gruppe den Weg weist und Orientierung bietet.

In diesen Umfeldern werden erstaunliche Geschichten angeboten, die wie ein Märchen klingen und doch wahr sein müssen (‚Folgt der Sandale’). Der BShitter lenkt die Kraft nach Außen, da er einen Feind benennt. In dieser abgrenzenden Operation wird gleichzeitig Stolz nach innen vermittelt – man ist wieder ‚Wer’. Dabei werden die BShitter von einer konkreten Mission angeleitet mit der sie ihre Handlungen rechtfertigen. Gleichgeschaltete Rituale und Symbole verstärken den weiteren Zusammenhalt. Durch diese sozialen Zwänge kann insbesondere politischer BS extrem stabilisiert werden. Aber wie sieht es nun auf der Ebene des Individuums aus? Insbesondere stellt sich die Frage:

Wer ist besonders empfänglich für BS?

Die einzige mir bekannte Studie zu diesem Thema stammt von der Universität von Waterloo (Kanada) und trägt den wunderbaren Titel:

On the reception and detection of pseudo-profound bullshit

Die Forscher wollten auf der psychologischen Ebene herausfinden welche mentale Konstitution die Empfänglichkeit für BS erhöht und welche Merkmale hilfreich sind um BS zu erkennen.

Als zu testendes Ausgangsmaterial wurden Sätze mittels eines Computerprogramms generiert, die syntaktisch korrekt sind, jedoch keine konkrete Aussage beinhalten, mithin eine semantische Tiefe suggerieren, die faktisch nicht enthalten ist – klassischer BS eben. Beispiel:

“Hidden meaning transforms unparalleled abstract beauty.”

Für den Insider: Die Autoren der Studie ließen sich von Tweets von Deepak Chopra, einem Großmeister des Bullshits inspirieren, der z.B. solchen BS via Twitter von sich gibt:

“Attention and intention are the mechanics of manifestation.”

In der Studie sollten zwei Mechanismen zur Empfänglichkeit von BS untersucht werden. Im Wesentlichen geht es um kognitive Verzerrungen, denen sich der beobachtete Mensch nicht bewusst ist:

  1. Die Akzeptanz von BS = Wie geht man mit der Erwartung um, dass eine Aussage eine profunde Bedeutung haben muss?
  2. Die Fähigkeit BS zu identifizieren, indem logische Fehlschlüsse erkannt und benannt werden. Die Autoren der Studie führen in diesem Zusammenhang den Begriff des ‚Conflict Monitoring’ ein.

Die beiden Mechanismen ließen sich dann in verschiedenen Experimenten recht gut nachweisen (α zwischen 0.7 und 0.9). Zusammengefasst begünstigen folgende Prädispositionen die Empfänglichkeit von BS:

  • Geringere Reflexionsfähigkeit, unkritische Offenheit
  • Niedrige kognitive Fähigkeiten (z.B. Sprache, fluide Intelligenz, Rechnen, …)
  • Anfälligkeit für ontologische Verwirrungen = Verwechslung von Begriffen, Bedeutungen und Zusammenhängen
  • Epistemologisch verdächtiger Glauben, einschließlich der Affinität für Religiosität und paranormale Erscheinungen

Eine relative Resistenz gegenüber BS zeigten jene Versuchspersonen, die folgende Eigenschaften aufwiesen:

  • Fähigkeit zum kritischen Denken und logischer Analyse
  • „Reflective Open Mindness“ (nicht alles unhinterfragt übernehmen und doch offen für Neues bleiben, als Gegensatz zur unkritischen Offenheit)
  • Großer Wortschatz und das Wissen um die Bedeutung der Worte um Inkonsistenzen und pseudo-profunde Aussagen erkennen zu können

 

Nichtzuletzt führen die Autoren u.a. den Barnum-Effekt an, um die BS-Empfänglichkeit zu erklären. Desweiteren schreit es geradezu danach den Dunning-Kruger-Effekt als weitere BS-Quelle zu berücksichtigen.

Persönlicher Ausblick

Ich vermute das die Reichweite und Frequenz von BS zumindest mittelfristig erheblich steigen wird. Dafür gibt es meines Erachtens mehrere Gründe:

  • Des-Investitionen in der Bildungspolitik – in besonders stark privatisierten Bildungssystemen sehen wir bereits ja das Ergebnis, wenn 20 Jahre an der falschen Stelle gespart wird: Es wird ge-Brexited oder ge-Trumped.
  • Die digitalen Verbreitungsmedien ermöglichen es jedem noch so hohlen Vollpfosten eine Meinung als Wissen darzubieten. Öffentlicher Reflex versus persönlicher Reflektion. Darüber hinaus erleben die traditionellen Medien eine existentielle Herausforderung, die weit über ‚irgendwas mit digitaler Transformation und Banner verkaufen’ hinausgeht. Die Rolle als 4. Kraft im Staat steht zur Disposition.
  • Und spätestens seit Trump dämmert es auch den geopolitisch Uninteressierten, dass der globale Hegemon seinen Platz mit weiteren Kräften teilen muss. Diese neue multipolare Weltordnung wird die wahrgenommene Komplexität für das demokratische Publikum mit hoher Wahrscheinlichkeit erhöhen, also proportional den zuvor benannten Bedarf nach einfachen Erklärungen steigern. Die große Bühne wird bis zur nächsten großen zivilisatorischen Krise von Populisten/Diktatoren bespielt.

Diese Anamnese stimmt vielleicht im ersten Moment nicht optimistisch, doch diese bezieht sich lediglich auf den IST-Zustand und bedeutet nicht zwangsläufig, dass dies den finalen Ausgang der Dinge beschreibt; es sind nur Auswürfe meiner Heuristiken und daraus resultierender Ableitungen.

Mithin gibt es eine positive Prognose, wenn die richtige Therapie angewandt werden würde.

Was könnte die Lösung sein?

Ein ethisches Manifest-Dinges. Ich schreibe bewusst Dingens, weil es wahrlich an Manifesten und Motivations- Sinn- und Kalendersprüchen auf diesem Planeten nicht mangelt. Und doch dünkt mich die peinlich basale Einsicht: Wir brauchen ein ethisches Gerüst um die individuelle und gesellschaftliche Komplexität zu reduzieren. Sonst wird das nix mit der Lebensfähigkeit.

Zu diesem Zeitpunkt kann ich noch keinen (von mir) fertig durchdachten Text offerieren, doch zumindest erste Eckpunkte skizzieren – durchaus im Bewusstsein das dies BS sein könnte. Doch die folgenden Liste erhebt den Anspruch einen BS-Filter bereits durchlaufen zu haben 🙂

Skizze: Ethisches Manifest-Dingens

  • Selbstverpflichtung zum fragenden Ethos
  • Der Erkenntnis im naturwissenschaftlichen und spirituellen Sinne verpflichtet (vgl. z.B. Ansatz von Metzinger)
  • Wissenschaft ohne Attitüde
  • Bereitschaft zur Revision vorhandenen Wissens, Un-, Um und Neu-Lernen
  • Verweigerung von Kompetenzsimulation, Bereitschaft zum konstruktiven Ungehorsam
  • Gemeinsames Verständnis für die Definition des Begriffs Symbiose / armsada
  • Auf mindestens 500 Jahre angelegter Handlungsrahmen, a²-Framework
  • Das Manifest-Dingens darf selbst kein Ismus sein und muss permanent hinterfragt werden (und verweist damit auf die Selbstverpflichtung zum fragenden Ethos und schließt damit diese Aufzählung)

Das passt übrigens wunderbarerweise zum VSM, denn es geht im Kern um das System5 und die Frage: Wie bewahren wir die internen zivilisatorischen Kohäsionskräfte?

Die Frage nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt ist laut diesem Buch einer von zwei Gründen warum Zivilisationen scheitern. Die andere Frage dreht sich um die Frage nach dem Zugang zu Ressourcen. Anders herum formuliert: Wenn die Menschheit die Kohäsionskräfte nicht organisiert bekommt, haben wir alle auf jeden Fall verloren. Deswegen ist BS nicht witzig.

 

 

 

By | 2017-03-28T16:50:32+00:00 März 28th, 2017|Categories: Grundsätzliches|Tags: , , , , , |4 Comments

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4 Comments

  1. Ralf Westphal 29. März 2017 at 21:03 - Reply

    Hm… Braucht es noch’n Manifest?

    Wer mag, der kann hier einen Selbstversuch machen. Ist das Folgende BS oder nicht? Einfach mal selbst urteilen und nicht googlen:

    1) „Von der Größe und Macht seines Geistes kann der Mensch nicht groß genug denken.“
    2) „Bedeutung entsteht umso leichter je tiefer die Beziehung zum Sein.“
    3) „Aus dem Spiegel-Spiel des Gerings des Ringes ereignet sich das Dingen des Dinges.“
    4) „Erkenne, was vor dir ist, und was dir verborgen ist, wird dir enthüllt werden.“
    5) „Echt und authentisch zu sein bedeutet, Gegensätze im eigenen Wesen miteinander zu vereinbaren.“

    Ich finde es schwer, BS zu erkennen. Denn nur weil jemandem eine der obigen Aussagen unverständlich ist oder gestelzt klingt oder er sich an einem Wort reibt oder sie für nicht wahr hält, heißt das aus meiner Sicht nicht, dass es sich um BS handelt. (Dasselbe gilt, wenn jemandem der Autor einer der Sentenzen nicht zusagt. Aber deshalb habe ich ja auch keine Quelle angegeben. 😉

    Für mich die bottom line einstweilen: BS hat nichts mit dem Empfänger und nichts mit bestimmten Worten zu tun, sondern allein mit der Intention des Senders. Das bedeutet, BS kann sogar in einer Wahrheit für den Empfänger bestehen, wenn der Sender einen anderen Zweck verfolgt. „Alle Menschen sind sterblich“ ist eine weithin anerkannte Wahrheit – doch man kann sie so aussprechen, dass darauf die passende Reaktion „Bullshit!“ ist.

    Kommen wir also gegen BS an, indem die Bildung verbessert wird? Oder wir einen anderen Umgang mit Medien lernen?

    Statt die Empfänger aufzurüsten, scheint mir vielversprechender, die Sender zu stärken. Selbstwertgefühl, Sinnempfinden, ausgeglichene Bedürfnisse oder allgemeiner ein Milieu, in dem BS keinen Vorteil verspricht, halte ich für vielversprechender.

    • Mark Lambertz 30. März 2017 at 6:40 - Reply

      Genau das sollte die Manifest-Dingens Idee zum Ausdruck bringen.

  2. Ralf Westphal 30. März 2017 at 7:12 - Reply

    Ein Manifest ist ein Appell an Bewusstsein. Mein Eindruck ist, das funktioniert nur sehr holprig – und unter Druck eher nicht. Oder nur bei den Leuten, die ohnehin keinen BS verzapfen.

    Es geht doch aber eben um all die anderen. Ein Manifest wäre wie ein Appell an Süchtige „Wir geloben, nicht mehr zum Suchtmittel zu greifen!“ Solche Gelübde gibt es nach jedem Absturz – bis man dann doch wieder zum Suchtmittel greift.

    BS zu verzapfen erfüllt (allemal in dem Moment) ein Bedürfnis. Solange das Bedürfnis existiert bzw. solange der BShitter kein anderes Mittel hat, um es zu befriedigen, wird es BS geben. Manifest hin oder her.

    PS: Hast du denn den BS (bzw. den BShitter) in den Zitaten oben identifizieren können (ohne Google)? 😀

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